Jetzt wollen sie mir den Spass am Fernsehen verderben. Inwiefern Fernsehen überhaupt Spass macht, soll hier aber nicht diskutiert werden. Es geht um das Replay, also um das zeitversetzte Fernsehen, das nach der Meinung der zuständigen Nationalratskommission verboten werden soll. Sehr verehrter TV-Zuschauer: Entweder sie setzen sich zur angegebenen Programmzeit vor den Bildschirm und schauen die Sendung inklusive Werbung von A bis Z an, oder Sie lassen es bleiben. Nur so nach Lust und Laune diese oder jene Sendung im Nachhinein anzuschauen und dabei allenfalls die Werbeblöcke mit dem schnellen Vorlauf rasch durchrauschen zu lassen – das geht gar nicht. Dafür zahlen sie schliesslich ihre Fernsehsteuern nicht. Mir allerdings macht das Fernsehen so erst richtig Spass.
Nun sind ja Streuverlust bei der Werbung unvermeidlich, und dem Gesetzgeber ist es bisher nie in den Sinn gekommen, das mit Verboten zu verhindern. Wie denn auch? Man kann ja beispielsweise dem Zeitungsleser nicht verbieten, beim raschen Durchblättern des Blattes die Inseratseiten einfach unbeachtet zu lassen. Und was entgeht uns nicht alles an Werbung, wenn wir zu Stosszeiten den öffentlichen Verkehr überlasten! Die im Tram aufgehängte Werbebotschaft über den Umgang mit dem Magen-Darm-Trakt im Universitätsspital beispielsweise habe ich nie richtig lesen können, weil immer jemand mit dem Smartphone in der Hand davor stand. Man müsste solche Werbungsbehinderer büssen können. Es ist übrigens kein dummer Scherz: Das Zürcher Universitätsspital macht wirklich Werbung im Tram, auch wenn das viele noch gar nicht bemerkt haben.
Doch jetzt ein Replay zum Thema TV-Replay: Das ist doch ein probates Mittel zur Steigerung des Fernsehkonsums! Man steht nicht mehr vor der schicksalshaften Entscheidung zwischen Fussball, Krimiserie oder der Sendung über Naturerlebnisse am Katzensee, sondern man kann sich das eins nach dem andern zu Gemüte führen. Und wenn man dabei die Werbung etwas abkürzen kann, macht das doch nichts, weil die sich ohnehin meist bis zum Überdruss wiederholt. Ich schaue fast immer zeitversetzt Fernsehen und bin trotzdem mit der Käsewerbung und ähnlichen kommunikativen Höhepunkten bestens vertraut. Was will man denn mehr?
