Die Facility-Manager kommen

Erschienen am 21.6.1999 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»

bl. In der Schweizer Wirtschaft zeichne sich eine starke Nachfrage nach Facility-Managern ab, und deshalb werde erstmals im Rahmen des neuen Fachhochschul-Studienganges Ökotrophologie eine entsprechende Ausbildung angeboten, entnehmen wir einer Presse-Einladung. Aha. Was ist denn Ökotrophologie? Es ist eine offenbar in Deutschland geschaffene Bezeichnung für Ernährungs- und Haushaltswissenschaften; man kann dort an verschiedenen Fachhochschulen bereits den Titel Dipl. oec. troph. (FH) erwerben. Es scheint ein lustiges Studium zu sein, wenigstens nach den Internet-Seiten zu urteilen, mit denen der Fachbereich präsentiert wird: Die Fachhochschule Münster illustriert das mit Pieter Breughels Bauernhochzeit, die Fachhochschule Anhalt hält eine Wilhelm-Busch-Zeichnung bereit, mit Witwe Bolte, die gerade im Keller Sauerkohl holt, während Max und Moritz auf dem Dach durch das Kamin nach den brutzelnden Hühnern angeln. Es dürfte sich lohnen, diese Situation auch einmal ökotrophologisch aufzuarbeiten. Aber damit ist uns der Facility-Manager ja noch nicht nähergebracht. Mit unserem Englisch, das wir eben nicht in der Primarschule gelernt haben, stehen wir am Berg: Der Ausdruck facility ist ein Sammelbegriff (soweit er nicht in der engeren Bedeutung von Leichtigkeit angewendet wird) für Einrichtungen, Anlagen, Systeme, Bauten, Institutionen, Dienstleistungen, kurz Dinge, die irgendwie einem bestimmten Zweck dienen, nützlich oder hilfreich sind. Also werden die Facility Manager wohl schon etwas Nützliches in Schwung halten. Eine Autovermietung kann zu den facilities zählen, eine Schuhputzmaschine auch, so gut wie eine Bibliothek, ein Coiffeursalon, ein Faxgerät, eine Fachhochschule oder ein Kindergarten. An manchen Orten werden auch die gewissen Örtchen schamhaft als facilities bezeichnet – aber nur in englischsprachigen Ländern, in denen Ökotrophologie ein unbekannter Begriff ist und folglich auch kein Dipl. oec. troph. das Management übernehmen kann. Somit ist immer noch nicht klar, was denn eigentlich ein Facility-Manager genau zu tun hat. Aber schliesslich gibt es ja eine Maintenance and Facility-Management Society of Switzerland, die bis vor kurzem noch Schweizerischer Verein für Instandhaltung hiess. Sie hat das Ziel, «das Fachwissen der Instandhaltung von Anlagen (Bauten, Betriebsmittel, Produktionsmittel, Infrastruktur, usw.) zu fördern». Jetzt ist uns alles klar – bis auf den Unterschied zwischen Maintenance und Facility-Management. Aber der wird einem altmodischen Redaktor, der es noch nicht einmal bis zum Print Media Document Manager gebracht hat, wohl immer verborgen bleiben.

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