Erschienen am 11.2.1999 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. Ein städtisches Amt sucht per Inserat offenbar einen neuen Personalchef beziehungsweise eine Personalchefin. Aber das ist zu einfach gesagt. Im Zeichen des New Public Management inseriert man jetzt für eine beziehungsweise einen «Human Resource Managerin/Manager». Schliesslich hat sich dieses Amt ja «grundlegend neu organisiert», wie im Inserat mitgeteilt wird; nun hat es eine «Unternehmenskultur», und diese «beruht auf einer wirkungs- und prozessorientierten, flexiblen Arbeitsweise». Da braucht es auch ein «visionäres, auf die künftigen Anforderungen ausgerichtetes Personalmanagement», und «die Herausforderung besteht darin, den anspruchsvollen Change-Management-Prozess aktiv mitzugestalten und im Personalbereich umzusetzen»: etwas für «eine kommunikative und kontaktfreudige Persönlichkeit» mit der Gabe, «hohe Sozialkompetenz sowie wirtschaftliches Denken und Handeln auf sich zu vereinigen». Man kann sich doch nicht wie früher einfach umsehen nach einer Persönlichkeit mit Menschenkenntnis, die mit den Leuten zu reden und umzugehen weiss und etwas von Betriebsorganisation versteht.
Was die neue Stellenbezeichnung betrifft, so wäre anzumerken, dass das englische Wort resource vom Französischen ressource stammt – gleich wie das im Deutschen geläufige Fremdwort Ressourcen, mit dem unter anderem Betriebsmittel bezeichnet werden: Finanzen, Technik, Rohstoffe, Menschen. «Menschliche Ressourcen» tönt immerhin nicht ganz so unmenschlich wie Menschenmaterial. Ausdrücke aus dem Französischen gelten heutzutage aber mehr, wenn sie über das Englische zu uns kommen, somit schwieriger auszusprechen sind und für die kommunikative Kompetenz zu Stolpersteinen werden. So hat man auch in dem erwähnten städtischen Amt nicht bemerkt, dass im Englischen human resources im Plural üblich ist und manageress die weibliche Form von manager wäre. Aber die amtliche Unternehmenskultur ist in ihrer Wirkungsorientierung wohl nicht darauf ausgerichtet, dass man das Englische, mit dem man um sich wirft, auch noch richtig beherrscht.
Englische Ausdrücke haben in der Regel den Vorteil, dass sie knapper sind als deutsche, aber eben nicht immer: Wenn der viersilbige Personalchef zum achtsilbigen Human Resources Manager aufgebläht wird, so fragt man sich schon, was denn das bringen soll – zumal im Falle dieses städtischen Amtes, wo es sich nur um einen 50-Prozent-Job handelt. Aber den Leuten kann geholfen werden: Der im Englischen erst seit etwa dreissig Jahren verbreitete Ausdruck human resources ist als unhandlich anerkannt und wird daher mehr und mehr durch die Abkürzung «HR» ersetzt. Wenn das kein Fortschritt ist!
Anmerkung des Autors: Eine Anfrage in jüngerer Zeit, ob die Verwaltung der Stadt Zürich (mit ü-Punkten) zur Vermeidung überflüssiger Anglizismen nicht wieder zur Bezeichnung Personalamt statt Human Resources Management zurückkehren könnte, ist abschlägig beantwortet worden. Der Hinweis auf die kantonale Verwaltung mit ihrem Personalamt oder den Zentralen Personaldienst des Kantons Basel-Stadt wurde als nicht stichhaltig bezeichnet, da eine solche Bezeichnung dem Aufgabenkreis des Stadtzürcher Human Resources Management nicht gerecht werde – und dies, obwohl die Gemeindeordnung der Stadt Zürich dem Finanzdepartement einfach die Besorgung der stadtweiten Personalaufaben zuweist.
