Erschienen am 23.09.2000 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. Es trifft sich gut, dass Zürich im Präsidialjahr Rita Fuhrers Gastkanton an der Olma ist; denn das ist ein Anlass der Selbstdarstellung unseres Kantons, und wer könnte da besser mittun als unsere rührige Regierungspräsidentin? Nächstens wird in Zürich eine Medienorientierung darüber stattfinden, was die diesjährige Olma nebst der Präsenz des Gastkantons zu bieten hat an Ausstellungssektoren, Sonderschauen, Tiervorführungen. Rita Fuhrer will aus diesem Anlass eine Velo-Rundfahrt durch die Stadt unternehmen, und die Medienschaffenden sollen sie zu Rad begleiten. Motto: «Typisch Zürich – ein Kanton in Bewegung.» (Manchmal weckt so ein Slogan, man kann nichts dafür, unpassende Assoziationen, die einem nicht mehr aus dem Kopf wollen; hier ist es die «Hauptstadt der Bewegung», die aus dem Schatten der Geschichte Münchens auftaucht – aber lassen wir das.)
Für die Medienvertreter stellt sich nun eine Grundsatzfrage: Gehört es zu den journalistischen Pflichten, aufs Velo zu steigen und mitzumachen, wenn die Regierungspräsidentin mit Eskorte durch die Stadt Zürich radeln will? Es gibt eine Usanz, dass die Journalisten an Anlässen, die sie als Berichterstatter verfolgen, nicht applaudieren; das soll zeigen, dass sie kritische Distanz wahren und sich nicht vereinnahmen lassen. In diesem Sinne sollten sie eigentlich auch widerstehen, wenn versucht wird, sie zu Figuranten von PR-Auftritten zu machen. Übrigens: Es ist schön, dass die Regierungspräsidentin eine begeisterte Radfahrerin ist. Andere Mitglieder des Regierungsrates treiben allerdings auch Sport – nur stellen sie es weniger zur Schau.
