Erschienen am 6.10.1998 in der NZZ unter «Nebenbei notiert»
bl. Häufig gestellte Fragen sind im Bereiche der Informatik sozusagen zu einer Institution geworden – selbstverständlich unter der englischen Bezeichnung Frequently Asked Questions, wofür man die Abkürzung FAQ verwendet, damit es so richtig Freude macht. Die Institution ist deshalb wichtig, weil viele Computerbenützer mit ihren System- und Anwendungsprogrammen immer wieder die gleichen Probleme haben, so dass die Hersteller die entsprechenden Fragen mit der Zeit kennen und ihre Antworten gleich für alle Problembeladenen öffentlich bekanntgeben. Eigentlich geht es bei FAQ also weniger um die Fragen als vielmehr um die häufig erteilten Antworten, die übrigens manchmal sogar hilfreich sind.
Nun hat auch die Stadt Zürich auf ihren Internetseiten unter dem Stichwort «Hilfe» eine Rubrik «FAQ (Frequently Asked Questions) zu Zürich» eingeführt. Das macht neugierig. Wir stossen auf eine Liste mit 15 Fragen, die offenbar die Zürcher in den Beziehungen zu ihrer Stadt am meisten beschäftigen. Eine davon lautet: «Was muss ich tun, wenn auf meiner Gartenterrasse Enten brüten?» Das ist gewiss eine berechtigte Frage, und es ist beruhigend zu wissen, dass die Seepolizei, der Enten Freund und Helfer, da mit Rat und Tat beistehen kann. Wichtig ist einfach, dass man gleich nach dem Schlüpfen der Kücken die Einsatzzentrale benachrichtigt, weil es gilt, das Muttertier samt den Kleinen schonend einzufangen und ungefährdet zum Wasser zu bringen, wofür die Polizei über die nötigen Gerätschaften verfügt. Sonst könnte es passieren, dass Frage 9 auf der Stadtzürcher FAQ-Liste aktuell wird: «Wie entsorge ich ein totes Tier?» (Frage 10 lautet übrigens: «Ein Mensch ist gestorben – woran ist zu denken, was ist zu tun?»)
Doch zurück zu den Lebenden, mit einer nicht oft gestellten Frage an die Politiker: Können die Stadtzürcher Enten sich darauf verlassen, dass im Falle einer Kantonalisierung der Seepolizei ihrem berechtigten Wunsche nach Aufrechterhaltung des Enteneinsatzdienstes Rechnung getragen wird, oder sollen die Tiere nicht mehr auf Gartenterrassen brüten? In der Computerbranche würde vermutlich zum Wechsel des Brutplatzes geraten.
