Wir schreiben Fussballgeschichte

Womit fang‘ ich denn diesen Blog an? Mit Fussball natürlich, in diesen Tagen. Die schweizerische Nationalmannschaft hat ja eben wieder Fussballgeschichte geschrieben, weil im Sport ständig Geschichte geschrieben wird. Die Schweizer Fussballer hätten im Achtelfinal der Weltmeisterschaft ein Treffen mit der Geschichte, teilte die NZZ mit, und es werde erwartet, dass die Geschichte des Schweizer Scheiterns neu geschrieben und erweitert werden müsse: um das Kapitel des siegreichen Achtelfinals an der WM 2018 in Russland. Nun, die Geschichte des Schweizer Scheiterns ist weiter geschrieben worden um das Kapitel der Niederlage gegen Schweden im Achtelfinal. Ein historisches Ereignis war es auf jeden Fall. Noch nie zuvor hatte eine Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in St. Petersburg gegen Schweden gespielt, und es wird wohl auch nie wieder vorkommen, was ein Trost ist.
Mit der Geschichte, die der Sport schreibt, ist es ja eigentlich so: Es sind nicht die Sportler, die schreiben. Sie liefern höchstens das Material für die Geschichtsschreiber in den Medien. Und von denen schreibt jeder wieder die Geschichte auf seine Weise. Der eine widmet sich der Geschichte des Scheiterns, der andere der Geschichte des Doppeladlers. Diese reicht übrigens zurück bis ins Byzantinische Reich, von dem es herkommt, dass heute noch Albanien, Serbien und Russland dieses Geflügel im Wappen führen. In der Schweiz ist es nicht gebräuchlich. Genf hat nur einen halben Adler im Wappen, so wie sich ja auch viele Leute mit einem halben Güggeli zufrieden geben.
Aber ich schweife ab. Beliebt sind als Objekte der sportlichen Geschichtsschreibung auch die Trainer oder Coaches. In diesem Sinne konnte man vor kurzem lesen, der Trainer der Schweiz habe sein Profil geschärft. Es war mir gar nicht aufgefallen, weil er eigentlich schon immer markante Gesichtszüge hatte. Ja und nun? Ist sein Profil innert 90 Minuten plus Nachspielzeit stumpf geworden? Das wird ja nun die Frage sein, die in den nächsten Tagen und Wochen sporthistorisch aufzuarbeiten sein wird. Man ist gespannt.

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